Reise blog von Travellerspoint

Und die Stadt fragte: Wollen wir Freunde sein?

Saigon

semi-overcast 27 °C
View Hong Kong / Vietnam 2008 auf vietpat's Reise-Karte.

< aktualisiert >
Das schwierigste am Busbahnhof war nicht, den richtigen Stadtbus zu finden - sondern das Rudel, pardon, die Herde an Motorrad- und Taxifahrern loszuwerden. Man mochte auf vietnamesisch fragen, welchen Teil von "nein" sie nicht verstehen.

Ein paar Minuten spaeter und schon beim ersten Versuch hatte ich den richtigen Bus gefunden. Nicht weils spottbillig war... sondern auch, um schon mal einen ersten Blick fuer die Stadt zu bekommen anstatt mit dem Motorrad rumzubrausen.

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(nein, das war nicht mein Bus ;-))

Wider Erwarten war das Wetter freundlich, die Atmosphaere angenehm, in einem Gruenstreifen gingen die Leute joggen... Auch im Hotel ein herzlicher Empfang. Ueberhaupt, das war die beste Unterkunft der ganzen Reise. Madam Cuc ist die Chefin von drei kleinen Hotels und schaute irgendwann mal vorbei, um den Gaesten zu sagen dass es toll ist dass sie da sind; fuenf Maedels kuemmerten sich den ganzen Tag lang superfreundlich um alles. Morgens Marmeladenbrot und Kaffee, abends auf Wunsch noch ne Suppe und Fruehlingsrollen... den ganzen Tag Bananen und lustige Unterhaltung - whow, nach Hanoi rechnete ich mit so was nicht mehr. Kleiner Haken an der Sache: Mein Zimmer lag zwar relativ ruhig im sechsten Stock - das waren aber mal geschmeidige 109 Stufen. Fuers Gepaeck gabs eine Seilwinde.

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Die Leute hier sind echt ein ganz anderer Schlag. Im Park sprach mich ein Mann an, woher ich komme - aah, er habe einen Freund namens Hans-Peter in Muenchen der ihm die deutschen Zahlen beigebracht hat. Gute Reise und schoenen Tag noch!

Spaeter inspizierten zwei interessierte Damen auf der Parkbank nebenan meinen Reisefuehrer, in dem sich Fahr-, Eintritts- und Visitenkarten angesammelt hatten und amuesierten sich ueber den Sprachteil.

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Der Wiedervereinigungspalast war ein echter Knaller, architektonisch auch, aber vor allem in Hinblick auf die Innenausstattung. Einstweilen wird er weiterhin fuer offizielle Anlaesse genutzt, ansonsten steht er Besuchern offen. Eine Fuehrung informierte ueber die wechselhafte Geschichte des Gebaeudes, besondern am 30. April 1975 als nordvietnamesische Panzer in den Garten rollten und der Uebergangspraesident des Suedens die Sieger mit den Worten empfing: "Meine Herren, ich warte bereits seit heute morgen darauf, Ihnen die Macht zu uebergeben."

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Inzwischen geht es wieder relativ westlich zu, und Saigon ist weiterhin gebraeuchlicher als der offizielle Name Ho Chi Minh City. Klingt ja auch nicht grad prall.
Maecces & Co. hats hier allerdings noch nicht, generell aber reichlich Gelegenheit zum Einkaufen, bis hin zu echten Nike's fuer die ueblichen 120 Euro. Die Elektronik haelt auch Einzug in die Pagoden - man beachte die neckischen Blinkapplikationen in diesem Video:

Einige historische Gebauede aus der Kolonialzeit... und zwischenzeitig ueberlegte ich, ob man das Kriegsmuseum klonen und in jeder mittelgroßen amerikanischen Stadt zwecks Allgemeinbildung nachbauen sollte. Dann muesste man aber die Panzer und Bomben weglassen, damit die Besucher nicht davor posieren und sich wirklich mal die bedrueckenden dokumentarischen Photos aus den Kriegen und Nachbildungen der Tigerkaefige etc. anschauen.

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Zum Besuch in der Region gehoeren auch die Cu Chi Tunnel, ein hunderte Kilometer langes System etwa 60 Kilometer vor Saigon, die am Originalplatz als eine Art Freilichtmuseum rekonstruiert wurden. Mitsamt aller Fallen, die sich die Staemme dort fuer den Feind ausgedacht hatten. Und nicht nur das. Es gab falsche Einstiegsloecher, Gabelungen der Tunnel die Eindringlinge ins Verderben fuehrten, mehrere Ebenen und einen Fluchttunnel zum Saigon-Fluss. Bei Flut hiess es raustauchen, und bei Niedrigwasser sollte man mal die gemeinschaftliche Kloschuessel leeren. Denn Hinterlassenschaften oben waeren ja verraeterisch. Ameisenbauten wurden ausgeraeuchert und zum gut getarnten Luftschacht. Das und mehr machten die je zwei Stunden An- und Abreise (Boot/Bus) wett.

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Dann war da noch der Stadtbus. Angenehm klimatisiert - aber was da aus den Lautsprecher kam...

Traf noch einen Deutschen, der in Laos unterwegs war. Dort gibt es wohl keine Busfahrt ohne eine oder normalerweise mehrere Pannen. Sehr gern wird der Motor zu heiss. Dann steigen alle bei sengender Hitze und ohne Schatten aus und warten in aller Ruhe. Irgendwann holt mal einer nen Kanister Wasser aus dem naechsten Fluss zum Kuehlen... und dann gehts bestenfalls weiter. Oder aber, alle Mitreisenden muessen anschieben und dann schwarz vor Russ in den Bus springen. Fuer die Laoten ist das Alltag. Doch wehe wenn der DVD-Player nicht geht und es somit keine ueberlaute Karaoke gibt - dann hagelt es Proteste.

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Pannen hatte ich keine, auf der ganzen Reise auch keine brenzlige Situation, weggekommen ist nichts... vielmehr wurde etwa vor dem Waisenhaus das Motorrad mit steckendem Zuendschluessel abgestellt. Nur beim Thema Geld muss man halt immer wachsam sein, und kurz vor Schluss passierte noch das, was ich kommen sah: Ich meinte "fifteen", und der Fahrradtaxifahrer "fifty". Tja, das Leben ist hart - im Reisefuehrer stehen, dass acht bis zwoelf Tausend Dong fuer kurze Strecken ok sind, also fuffzenn und basta.

Mai ist der Beginn der Regenzeit, das bedeutet kraeftige Regenguesse vor allem am spaeten Nachmittag....

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Solche Zwangspausen sind angenehmer als die Schwuele in der Sonne.

Alles in allem hatte ich echt super Wetter. Das erste Mal richtigen Regen auf dem Motorrad, dank der zur Verfuegung gestellten Regenkleidung kein Problem und selbst das Gesaess erwies sich als schnelltrocknend. War ja auch ein Feuerstuhl.

Schoenen Dank fuer den Leserbrief aus der Schweiz, ob ich denn einen Zahlenfetisch haette wegen der ganzen immer wieder eingeflochtenen Kosten. Nein, das nicht.. . wollte halt mal das Preisgefuege rueberbringen. Klar verdienen die Leute hier weniger, doch wenn mans mal mit daheim vergleicht, dann sind die Preise bei Starbucks oder von importierten Gebrauchsgegenstaenden "Made in Vietnam" astronomisch.
Manch mal muss man wirklich aufpassen, dass man sich zurueckhaelt wenns um 2000 Dong = 8 Cent geht, aber so ne peinliche Nummer wie ein Deutscher im Internetcafe, der sich um noch weniger beschwerte hab ich mir nicht geleistet.

Also, Endspurt des Blogs: Wetter prima, alles guenstig oder preiswert, sicheres Reisen... und Richtung Sueden wurden die Leute wie ersehnt immer freundlicher. Der Groesste Glueckfall war die Motorradtour, das praegende Erlebnis dieser Reise.

In der Ha Long Bucht hatte ich die beste Wahl fuer Alleinreisende getroffenen, wer da mal mit mehreren vorbeikommt sollte sich einfach ein eigenes Boot mieten.
Die Bekanntschaft dort mit Dan & Kate sorgte wiederum fuer ein Highlight in Sa Pa...

Ob es Lowlights gab? Hm. Zumindest keine Reinfaelle.
Hab ich was verpasst? Denke nicht. Fuers Mekong-Delta war nicht die richtige Reisezeit, Strand bekomm ich auch woanders.... auch hier alles super.

Bleibt festzuhalten, dass Suedostasien ganz schoen anders ist. In Suedamerika teilt man beispielsweise mit den Leuten zumindest ein Stueck weit die Kultur und Sprache, dass machts einfacher.
Nicht dass ich mich ueber irgendwas aufgeregt haette in Vietnam... aber ein Land zu genießen, das geht anders. Das eine oder andere nimmt man halt einfach mal so hin.

Ein Erlebnis war es auf jeden Fall, und es ist gut auch was ueber das Leben auf diesem Erdteil zu wissen. Dafuer ist Vietnam die richtige Dosierung - Thailand ist wohl schon sehr touristisch, waehrend Laos und besonders Kambodscha eine groessere Herausforderung sind.

Bleibt die Frage, wie ich auf Vietnam kam. War 2007 nicht groß weg und wollte mal raus, nach diesem Sommer gehts schlecht aus beruflichen Gruenden. Auf der Suedhalbkugel ist Winter, in Europa versprach das Wetter auch noch nicht so prall zu sein... Amerika auch nicht... also tendenziell Richtung Suedostasien, in der Buchhandlung im Vietnam-Fuehrer geblaettert... mit Lars & Tanja als "Vorreisenden" gesprochen - und entschieden :-)

Eingestellt von vietpat 06:54 Archiviert in Vietnam Tagged backpacking

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