Reise blog von Travellerspoint

Das Beste kommt zum Schluss

Von Hoi An ueber Kontum, Pleiku nach Buon Ma Thouth

semi-overcast 25 °C
View Hong Kong / Vietnam 2008 auf vietpat's Reise-Karte.

Jetzt kommen die besten drei Tage des Urlaubs.

Drei Tage keinen anderen Touristen. Kein "Hello Motorbike".
Keine Versuche mit was zu verkaufen.
Stattdessen freundliche Einheimische, die ihren Berufen nachgehen und einen kleinen Einblick in ihr Leben geben.

Das Motorrad war angesichts seiner Groesse wesentlich bequemer als die kleinen Dinger in den Staedten, mein Rucksack reiste auf dem zweiten Bike. Mit Ahn und Phuong hatte ich zwei grossartige Reiseleiter.
Ahn ist der Grossonkel, bei Hanoi aufgewachsen und mit der Familie in den Sueden gegangen als in den 50ern die franzoesische Kolonialzeit endete. Auf Seite der Amis kaempfte er gegen den kommunistischen Norden und landete als Kriegsverlierer erst mal fuer drei Jahre im Umerziehungslager. Die Reise fuehrte an vielen Schauplaetzen der Kaempfe vorbei, und so gabs Informationen aus ersten Hand.
Phuong ist 28 war zuvor Photograph, wo er zwar mehr verdiente, aber auch zu viel trank. Ueber den Grossonkel kam er zu den Easyridern, wo er erst mal ein Jahr zu schauen musste bis zur Aufnahme.

"We do it for our country" - das war der einzige Satz an dem Abend, als wir uns zufaellig trafen, wo ich dachte: Das ist jetzt aber etwas dick aufgetragen. Aber selbst das stimmte. Ohne diese Tour haette ich Vietnam mit einem falschen Eindruck hinterlassen. 550 Kilometer mit dem Motorrad, die diese Reise praegten.

  • 1000 Jahre alte Tempel.
  • Die handwerkliche Herstellung von Raeucherstaebchen.
  • Fahrraeder, die 300kg Ananas transportieren.
  • Der Ho Chi Minh Pfad
    siehe Wikipedia, teils Reste von damals, teils zur Strasse ausgebaut
  • Reichlich Denk- und Siegesmaeler zum Krieg.
  • Viele Doerfer der "ethnischen Minderheiten", wie man sie hier nennt.
  • Wie Zimt, Pfeffer und Cashews wachsen.
  • Ueber Haengebruecken aus Bambus gehen.
  • Granitabbau mit Hammer, Meissel und in Badeschlappen.
  • Die alte Piste einer US-Airbase, auf der die Bauern heute Maniok trocken.
  • Gummibaueme, aus denen das Latex rinnt.
  • Wenn nichts mehr rauskommt, werden im Saegemehl Pilze gezuechtet.

Der Spruch des Tages fiel in einer Tischlerei: "Der da drueben macht das Design, alle anderen arbeiten".

Sprich: Man hielt unterwegs oft an, um sich das alles anschauen.
Auch in einem Waisenhaus. Fuer solche Faelle hatte ich extra Remy, die Ratte aus dem Film Ratatoiulle, als Stofftier mitgenommen. Da die Kinder eh schliefen und ich schlecht entscheiden konnte, wo es Sinn macht, gab ichs der Heimdame. Die hatte soviel Spass, vielleicht behaelt sie sie erst mal ein paar Tage selbst. Dazu noch ein Malheft und eine Spende... denn hier landen in erster Linie die Kinder, deren Eltern(teil) bei der Feldarbeit durch Minen ums Leben kamen.

Auf der ersten Etage waren die ganz Kleinen dann doch wach, und das Groesste ist wohl, auf den Arm genommen zu werden und zu zeigen wo hin es gehen soll. Gerne noch, der Kleine war auch frisch geduscht... und machte mir trotzdem einen Bremmsstreifen aufs Shirt. Fix ausgewaschen und auf gings zur naechsten Runde!

Auch die Einstellung zum Umweltsschutz ist hier in den Bergen besser. Plastik wird offenbar gesammelt, und die Huelsen alter Munition aufgespuert, die gereinigt und dann vom Schmied weiterverarbeitet werden. Und Muell wird hier auch nicht in der Gegend rumgeworfen.

Vielerorts fuehrte die Reise an den Doerfern besagter Minderheiten (es gibt ueber 50) vorbei, die zumeist auch eine eigene Sprache sprechen. Je nach Groesse und Kraft der Gruppe faellt dann auch das traditionelle Stammeshaus aus.

Bei einem Kaffee-Stopp machten die Arbeiter gerade Mittagspause, boten mir einen Schnapps an und zueckten schon ihre Handykameras, um auch ja mein Gesicht beim Trinken festzuhalten. Hab mich rausgewunden, auch eine Zigarette wollte ich nicht... aber ein lustiges Gruppenfoto haben wir gemacht.

Dieses und 59 weitere Eindruecke der Tour gibts bei flickr :-)

Hier ein Video des Maedels, das die Raeucherstaebchen machte - genau hinsehen, die sind duenn ;-)

Fuer die Nacht hatten wir einfache, saubere und guenstige Hotels. Das erste lag im Dreilaendereck mit Laos und Kambodscha, und ich hatte Abends Lust auf ein Mars, Snickers oder meinetwegen auch Twix - aber nix! Gruene suessliche Chips gab es.

Diese Tour war auch ein Ausflug in die vietnamesische Kueche - so essen, wie es die Leute hier machen. Und ehrlich gesagt waere ich in manche Kaschemme allein nicht reingegangen, zu mal ich auch schlecht was haette bestellen koennen. Die beiden orderten einfach immer den ganzen Tisch voll, und es wurde geteilt bzw. schaufelten sie einfach mehr Broeckchen in meine Schale. Am besten war das Wild, wobei das Fleisch meisst in einer Art Suppe mit Gruenzeug schwimmt. Auf hierzu ein paar Photos.

Vor dem Start hatte ich eine Woche lang erhoehten Verbrauch von Toilettenpapier, und am Tag zuvor gabs gar ein paar enge Situationen. Doch mal Immodium einwerfen? - Hey, Bauch, letzten Chance: Abends spaet noch Banane und Cola, morgens Banane, Weissbrot, mittags wieder Cola.... danach war anderthalb Tage Ruhe. Die alten Hausmittel....
(nicht dass ich das nicht vorher auch schon zwischengeworfen haette, aber nicht so geballt)

Der entspannendste Moment war die Mittagspause in einem liebevoll gestalteten Gartenrestaurant... mit Brunnen, ueberdachten Logen... da kann Starbucks einpacken:


Kurz vor dem Ziel des zweiten Tages schiffte es ziemlich, die Regenkleidung hielt alles ab... nur die Schuhe durften ueber Nacht mal gepflegt trocknen. Tags drauf streifte ich Plastiktueten drueber. Sah komisch aus, half aber. Hey - das war erste echte Regen auf der ganzen Reise :-)

Ziel der Motorradtour war Buon Ma Thouth, eine 300.000 Einwohnerstadt in den Bergen. Ueberlegte zwischenzeitig, ob ich einen Flug nach Saigon nehme... aber das waere ja gemogelt gewesen, dort nicht auf dem Landweg anzukommen und auch die beiden Biker empfahlen den komfortablen Bus. Allerdings sollten sie "High Class" nicht wie "Hard Class" betonen ;-)

Hatte zuerst den letzten Platz im Schlaf-Nachtbus gebucht. Letzter Platz, das klingt ja schon mal verdaechtig. Wars dann auch: Alles 1er-Liegen, und hinten drei Stueck nebeneinander. Fuer eine maximaler Koerpergroesse von 1.70, hatte den Knick da wo er nicht hingehoerte und angesichts des Kastens fuer die Fuesse und des Nebenmanns war auch nur eine einzige Position moeglich. Nix wie raus! Problemlos konnte ich den normalen Bus ne halbe Stunde spaeter nehmen, wo sich die Liegen extrem weit nach hinten neigen liessen. Auch die ueberlaute Fernsehshow hatte irgendwann ein Ende, und so gabs etappenweise auch einigen Schlaf.

Eingestellt von vietpat 05:08 Archiviert in Vietnam Tagged backpacking

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